Traumaambulanz am Klinikum Görlitz etabliert sich als Anlaufstelle für Gewaltbetroffene

Die Traumaambulanz wird seit 2024 regelmäßig genutzt. Geplant ist noch in diesem Jahr ein neues Gruppenangebot, um Wartezeiten bis zur Einzeltherapie zu überbrücken.

Görlitz, 22.08.2025. Die Traumaambulanz am Klinikum Görlitz möchte Gewaltbetroffene künftig auch mit einem Gruppenangebot unterstützen. Ziel ist es, Menschen nach grenzüberschreitenden, gewalttätigen Beziehungserfahrungen oder körperlichen Übergriffen zu unterstützen, ihnen frühzeitig Stabilität zu geben, einen Raum zum gegenseitigen Austausch zu schaffen und die Zeit bis zur Einzeltherapie zu überbrücken.

Seit der Eröffnung im Januar 2024 haben mehr als 35 Menschen – überwiegend Frauen, aber auch Männer –  ein Erstgespräch in der Ambulanz wahrgenommen. Die Betroffenen kommen aus dem gesamten Landkreis Görlitz und angrenzenden Regionen. Viele haben psychische Gewalt in engen sozialen Beziehungen erlebt – häufig in sogenannten narzisstisch-toxischen Partnerschaften, bei denen u.a. fortgesetzte, teilweise subtile Manipulation, Abwertung und Kontrolle tiefe seelische Spuren hinterlassen. Um die Patient:innen kümmern sich inzwischen drei ausgebildete Therapeutinnen. 

„Psychische Gewalt wird oft unterschätzt – dabei kann sie genauso verletzen wie körperliche Gewalt. Viele Betroffene aus narzisstisch-toxischen Beziehungen berichten, dass es lange dauert, bis sie überhaupt erkennen, was ihnen passiert ist. In der Gruppe können sie erleben: Ich bin nicht allein, andere verstehen, was ich durchgemacht habe“, sagt Katharina Möbius, Psychologische Psychotherapeutin und Leiterin der Traumaambulanz.

Die Traumaambulanz wurde am 1. Januar 2024 als Teil der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie gegründet und ist im sachsenweiten Kompetenzzentrum für Traumaambulanzen registriert. Sie bietet im Rahmen des Sozialen Entschädigungsrechts (SER) bis zu 15 Therapiestunden an, um Gewaltbetroffenen schnell und unbürokratisch psychologische und psychotherapeutische Unterstützung zukommen zu lassen und chronische Verläufe zu verhindern.

Während Erstgespräche weiterhin zeitnah angeboten werden können, besteht für die anschließende Behandlung jedoch meist eine mehrmonatige Wartezeit. Das geplante Gruppenangebot soll diese Zeit sinnvoll überbrücken. Im Mittelpunkt stehen Techniken zur Stabilisierung, Wissensvermittlung und der Austausch untereinander. „Es geht darum, Ressourcen zu stärken und wieder Vertrauen in sich selbst zu finden. Für viele ist es ein wichtiger erster Schritt auf dem Weg in die weitere Behandlung“, sagt Sina Ulrich, Leitende Oberärztin der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie

Das Angebot der Traumaambulanz richtet sich an Erwachsene. Die telefonische Erreichbarkeit besteht montags bis freitags, 8–12 Uhr und 13–14:30 Uhr unter 03581 37-1964. Auch eine Kontaktaufnahme per E-Mail ist jederzeit möglich: traumaambulanz@klinikum-goerlitz.de. Fahrtkosten können vom Kommunalen Sozialverband Sachsen übernommen werden.

INFO: Was sind narzisstisch-toxische Beziehungen?
In narzisstisch-toxischen Partnerschaften erleben Betroffene häufig ein Muster aus Idealisierung, Abwertung und Kontrolle. Psychische Gewalt zeigt sich dabei z. B. in ständiger Kritik, Manipulation, Schuldzuweisungen und -umkehr oder Drohungen, Liebesentzug. Körperliche und sexualisierte Gewalt treten ebenso wie soziale und finanzielle Gewalt gehäuft auf. Langfristig kann dies zu Angststörungen, Depressionen oder posttraumatischen Belastungssymptomen führen. Hilfe bietet die Traumaambulanz durch Einzel- und künftig auch Gruppentherapie – anonym und vertraulich.

Hinweis: Für Fragen rund um Trennung, Jugendamt oder rechtliche Unterstützung sind die Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt (IKS) in Löbau oder die Opferhilfe wichtige erste Anlaufstellen. Die Traumaambulanz ergänzt dieses Angebot, indem sie sich auf die psychotherapeutische Verarbeitung und Stabilisierung konzentriert. 

Pressekontakt

Portrait Katja Pietsch

Katja Pietsch, M. A.

Pressesprecherin & Leiterin Unternehmenskommunikation
Telefon
+49 3581 37-3510
E-Mail-Adresse
E-Mail