Görlitz, 18.05.2026. Viele Krankenhäuser in Deutschland stehen seit Jahren unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Mit der Krankenhausreform plant der Bund ab 2027 umfassende strukturelle Veränderungen in der Krankenhausversorgung. Unabhängig davon sollen jedoch bereits jetzt mit dem GKV-Spargesetz zusätzliche Einsparungen im Gesundheitswesen umgesetzt werden, die viele Kliniken wirtschaftlich belasten werden.
Krankenhäuser wie das Städtische Klinikum Görlitz sichern an 365 Tagen im Jahr die Versorgung von Patient:innen – von der Notfallmedizin über Operationen bis hin zur Behandlung schwerer und chronischer Erkrankungen. Dafür müssen Personal, Technik und medizinische Infrastruktur jederzeit verfügbar sein – auch nachts, an Wochenenden oder unabhängig davon, wie Menschen gerade behandelt werden.
„Eine verlässliche Krankenhausversorgung braucht auch eine verlässliche Finanzierung“, sagt Ines Hofmann, Geschäftsführerin des Städtischen Klinikums Görlitz. „Viele Kliniken arbeiten bereits heute unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen. Weitere Kürzungen erhöhen den Druck zusätzlich.“ Durch das geplante GKV-Sparpaket sollen den Krankenhäusern in den kommenden Jahren erhebliche finanzielle Mittel entzogen werden. Gleichzeitig ist die wirtschaftliche Situation vieler Kliniken bereits heute schlecht. Laut aktuellen Auswertungen schreiben rund 75 % der Krankenhäuser in Deutschland Defizite – drei von vier Häusern geben damit mehr Geld aus, als sie einnehmen. Etwa 15 % der Kliniken gelten bereits als wirtschaftlich stark gefährdet. Das bildet sich auch bei uns im Landkreis ab.
„Reformen im Gesundheitswesen sind notwendig. Die aktuell geplanten Einsparungen erhöhen jedoch bereits heute den wirtschaftlichen Druck auf viele Krankenhäuser – noch bevor zentrale Elemente der Krankenhausreform ab 2027 umgesetzt werden. Dabei muss auch berücksichtigt werden, welche Bedeutung Krankenhäuser gerade für die Versorgung außerhalb großer Ballungsräume haben“, so Hofmann.
Für Regionen wie Ostsachsen hätte eine anhaltende wirtschaftliche Schwächung der Krankenhäuser besondere Bedeutung. Das Klinikum Görlitz übernimmt als Schwerpunktversorger wichtige Aufgaben für die medizinische Versorgung der Region – u. a. in der Notfallversorgung, der Schlaganfallbehandlung, der Herzmedizin und zahlreichen spezialisierten Fachbereichen. Das Klinikum Görlitz arbeitet derzeit wirtschaftlich stabil und schreibt noch schwarze Zahlen. Dennoch wächst auch hier der finanzielle Druck spürbar. Steigende Personal- und Sachkosten, notwendige Investitionen sowie zusätzliche gesetzliche Anforderungen schrauben die Ausgabenseite auf Grund von externen Vorgaben (z. B. Energiemanagementgesetz, Pflegeuntergrenzen, usw.) nach oben. Wird die Finanzierung gleichzeitig weiter eingeschränkt, wäre auch am Klinikum Görlitz künftig kein positives Jahresergebnis mehr erreichbar. Legt man die geplanten Sparmaßnahmen pauschal auf das Haus um, könnte dies einer Umsatzreduktion von rund fünf Prozent beziehungsweise etwa 4-6 Mio. € entsprechen – mit nahezu gleicher negativer Auswirkung auf das Jahresergebnis.
„Krankenhäuser brauchen Planungssicherheit und Rahmenbedingungen, die eine moderne und leistungsfähige Versorgung dauerhaft ermöglichen“, betont Hofmann. „Es geht darum, die medizinische Versorgung der Menschen auch langfristig verlässlich sicherzustellen.“ Das Klinikum appelliert daher an die politischen Entscheidungsträger auf Bundesebene, bei weiteren Reformschritten die tatsächlichen Bedingungen in der Versorgungspraxis zu berücksichtigen.
