Krankenkassen zahlen Fettabsaugung in ernsten Fällen. Die Plastische Chirurgie des Klinikums bietet diese Leistung an.

Mehr als drei Millionen Menschen leiden in Deutschland an einem Lipödem – einer krankhaften Fettverteilungsstörung. Die Kassen zahlen nun die Absaugung (Liposuktion) im Stadium III.

Ein Lipödem ist eine krankhafte Fettverteilungsstörung, bei der es an Beinen, Hüfte und Gesäß, selten auch an den Armen, zu einer Fettvermehrung kommt. Diese chronische Erkrankung betrifft fast nur Frauen und führt besonders im späten Stadium zu einer sehr großen psychischen und physischen Belastung.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat nun beschlossen, dass Krankenkassen das Absaugen von Körperfett bei Patientinnen, die an einem Lipödem in schwerem Stadium (Stadium III) leiden, bezahlen. Dies soll ab Januar 2020 möglich sein. „Das ist eine sehr gute Entscheidung im Sinne der Betroffenen“, sagt Dr. Steffen Handstein, Chefarzt der Klinik für Plastische, rekonstruktive und Brustchirurgie, der diese Operationen in Görlitz durchführt. Als Facharzt für Plastische Chirurgie besitzt er die notwendige fachliche Expertise, um die Indikation für eine solche Operation stellen zu dürfen. Sein Team ist darüber hinaus spezialisiert auf die Diagnostik und Therapie von Lipödemen und auch Lymphödemen. „Wir arbeiten diesbezüglich seit Jahren eng mit Physiotherapeuten, Sanitätshäusern und Selbsthilfegruppen zusammen, um unseren Patientinnen zu helfen“, so Dr. Handstein.

Das Lipödem ist erst in den vergangenen 20 Jahren in den medizinischen Fokus gerückt. Die Betroffenen selbst glaubten und glauben oft lange, dass eine falsche Ernährung Schuld an ihrer Fettvermehrung ist. Sport und gesunde Ernährung helfen jedoch nicht, um die krankhaft wachsenden Fettzellen zu bekämpfen. Auch Ärzte erkennen die Erkrankung nicht immer und verwechseln sie mit einem Lymphödem oder Adipositas. Die richtige Diagnose ist deshalb entscheidend. Bei einem Lipödem vermehren sich die Fettzellen unkontrolliert im Fettgewebe der Unterhaut. Zwischen den Fettzellen lagert sich Wasser ein, sogenannte Ödeme entstehen. Diese drücken auf das umliegende Gewebe. Die Betroffenen haben ungewöhnliche Körperproportionen: einen schlanken bis normalen Oberkörper bei gleichzeitig auffallend breiten Hüften und Oberschenkeln.

„Je nach Ausprägung wird das Lipödem in drei Stadien eingeteilt“, sagt Dr. Handstein. Es ist aber nicht zwangsläufig so, dass jede Betroffene alle drei Stadien durchläuft. „Bei manchen Frauen verharrt die Zunahme des Fettgewebes. Andere haben jahrelang keine Veränderung und dann verschlimmert es sich schubweise.“  Um ein Lipödem in Stadium III sicher zu diagnostizieren, muss der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin verschiedene Symptome feststellen: Betroffene in diesem schweren Stadium leiden an übermäßiger Fettvermehrung mit überhängenden Gewebeanteilen von Haut und Unterhaut. Sie haben Berührungsschmerzen an den betroffenen Extremitäten und sind stark in ihrer Bewegung eingeschränkt. Wenn darüber hinaus nach sechs Monaten konservativer Therapie, der Komplexen physikalischen Entstauungstherapie (KPE), zu der manuelle Lymphdrainage, Kompressionsversorgung, Hautpflege und Bewegungstherapie gehören, die Beschwerden nicht gelindert sind, kann der Arzt die nun als Krankenkassenleistung anerkannte Operation (med.: Liposuktion) verordnen. Bei diesem Eingriff werden die krankhaften Fettmassen abgesaugt. Für die Betroffenen ist die Kostenübernahme durch die Kassen eine Befreiung, denn die Operation können sich die meisten nicht leisten. Ein Eingriff bei einem Lipödem kostet einmalig ca. 18.000 Euro, oft sind auf Grund der Fettmassen mehrere notwendig. Die konservative Therapie mit Verordnungen über maßangefertigte Kompressionsstrümpfe und die physiotherapeutischen Maßnahmen sowie auch in nicht wenigen Fällen eine psychologische/psychotherapeutische Begleitung ist über die Jahre hinweg gesehen für die Kassen jedoch sehr häufig teurer.

Kontakt: Klinik für Plastische, rekonstruktive und Brustchirurgie, Chefarzt Dr. med. Steffen Handstein Tel.: 03581 37-1559, Mail: plastische.chirurgie@klinikum-goerlitz.de

Görlitz, 25. September 2019

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