Die Vielfältigkeit der Erkrankungen im Hals-Nasen-Ohrenbereich bedarf einer entsprechend großen Palette an Diagnostik und Behandlungsmöglichkeiten, die wir Ihnen auf den folgenden Seiten ausführlicher vorstellen möchten.

Ist ein operativer Eingriff notwendig, stehen Ihnen spezialisierte Chirurgen und erfahrene Anästhesisten, ebenso wie eine moderne technische Ausstattung zur Verfügung. Endoskopische und mikroskopische Techniken, im Zusammenhang mit dem Einsatz eines modernen Lasers, sind selbstverständlich.

Kinder mit HNO Erkrankungen werden generell in die Kinderklinik und dort von den Kinderärzten als auch von den HNO-Fachärzten betreut.

Chronischer Paukenerguss

Es handelt sich um eine Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr, unter der durchschnittlich etwa 80-90% aller Kinder unter acht Jahren mindestens einmal leiden. Aus Kinder-HNO-ärztlicher Sicht ist eine Entfernung der Rachenmandel (Adenotomie) kombiniert mit einem beidseitigen Trommelfellschnitt (Parazentese) beim Ersteingriff sinnvoll. Die initiale Einlage einer Paukendrainage (Trommelfellröhrchen) erfolgt bei Sprachentwicklungsstörungen.

Entzündung der Gaumenmandeln

Auftretende Entzündungen der Gaumenmandeln mit Fieber bezeichnet man akute Angina. Treten diese gehäuft pro Jahr auf, spricht man von einer chronischen Tonsillitis. Kloßige Sprache, Schluckbeschwerden und verminderter Allgemeinzustand sind die Folge. Eine Vergrößerung der Tonsillen ohne diese Symptome (Tonsillenhyperplasie) tritt in der Regel mit 2-7 Jahren auf. Schnarchen mit oder ohne Atemaussetzern kommt dann als Symptom hinzu.

Bei diesen genannten Fällen sollte nach HNO-ärztlicher Kontrolle eine Entfernung der Rachenmandel (Adenotomie) bzw. der Gaumenmandeln (Tonsillektomie) erfolgen. Liegt beim ausgeprägten Schnarchen nur eine Vergrößerung der Gaumenmandel vor, wird diese mit einem laserchirurgischen Eingriff lediglich verkleinert. Postopertiv haben die kleinen Patienten erheblich weniger Schmerzen und die Blutungsgefahr ist deutlich geringer.

Vergrößerte Rachenmandeln (Polypen)

Die vergrößerte Rachenmandel (Polypen) im Klein- und Kindesalter ist völlig normal und beruht auf einem verstärkten Wachstum von lymphatischem Gewebe.  Durch die Verlegung des Nasenrachens kommt es zu den typischen Symptomen einer behinderten Nasenatmung, Mundatmung, Schnarchen, schlechter Schlaf, geringer Appetit und eine nasale Sprache und infolge des Paukenergusses zur Hörverminderung mit evtl. daraus folgender Sprachentwicklungsverzögerung.

Neugeborenenhörscreening

Alle im Städtischen Klinikum Görlitz geborenen Babys werden in das Hörscreening einbezogen, so dass die Eltern zur Entlassung eine definitive Auskunft über das Hörvermögen ihres Kindes erhalten. Dem schlafenden Kind wird in den ersten Lebenstagen eine Sonde im äußeren Gehörgang platziert, über die dann dem Ohr ein leiser Ton angeboten wird. Der Ton ist ca. 50dB laut – eine normale Unterhaltung ist etwa 65dB. Ein gesundes Ohr registriert diesen Ton und sendet einen zweiten Ton. Ist dieser Ton vorhanden, funktioniert die Hörschnecke und auf dem Messgerät leuchtet eine grüne Lampe. Die Untersuchung ist völlig schmerzlos, nicht belastend und dauert nur wenige Minuten.

Durch den Einsatz des Lasers bei der Behandlung gut- und bösartiger Erkrankungen in den Luft- und Speisewegen ist es möglich, bestimmte bösartige Tumoren transoral, d.h. ohne Schnitt von außen, zu entfernen. Bei diesem Operationsverfahren kann den Patienten in aller Regel der ansonsten notwendige Luftröhrenschnitt erspart werden. Auch die Gabe von Bluttransfusionen kann durch dieses mikrochirurgische Operationsverfahren extrem minimiert werden.

Chronische Schleimhauteiterung mit Trommelfelldefekt u./o. Kettendefekt

Der Verschluss des Trommelfelles erfolgt grundsätzlich mit körpereigenem Material. Hierzu verwendet man Perichondrium (Knorpelhaut) oder Fascie (Muskelhaut). Bei einem Defekt der Gehörknöchelchenkette handelt es sich in der Regel um eine Unterbrechung des Amboss-Steigbügelgelenkes durch Arrosion des langen Ambossschenkels. In diesem Fall wird der Amboss komplett entfernt und eine Titanprothese als Schallüberträger zwischen Trommelfell und Stapes (Steigbügel) gestellt. Diese Operation kann sowohl in Vollnarkose als auch in örtlicher Betäubung durchgeführt werden. In besonderen Fällen ist auch eine ambulante Versorgung möglich.

Chronische Knocheneiterung mit Trommelfelldefekt u./o. Kettendefekt

Bei der chronischen Knocheneiterung wächst das Gehörgangsepithel in die luftgefüllten Mittelohrräume ein. Deshalb ist häufig die komplette Entfernung des lufthaltigen Knochens im Warzenfortsatz (Mastoid) erforderlich. Die Gehörknöchelchenkette ist in diesen Prozess häufig miteinbezogen, so dass sie abgebaut werden muss. In der Regel wird die Schallübertragung durch den Einsatz einer Titanprothhese, die entsprechend angepasst wird, hergestellt.

Otosklerose

Bei dieser Form der Schwerhörigkeit ist der Steigbügel im Bereich der Fußplatte durch einen Otoskleroseherd fixiert. Der Steigbügel wird entfernt und eine Titanprothese stellt nun die Verbindung zwischen Amboss und Innenohr her. Die Perforation der Fußplatte wird mit dem Laser vorgenommen. Diese berührungsfreie Methode stellt eine sehr schonende Operation dar.

Endoskopische endonasale Nasennebenhöhlenchirurgie

Der Mensch hat auf jeder Seite vier Nebenhöhlen, neben der Kieferhöhle und der Stirnhöhle existieren noch die Siebbeinhöhle und die Keilbeinhöhle. Jede Nasennebenhöhle hat eigene Ausführungsgänge. Sind diese Ausführungsgänge sehr eng ausgebildet, so kann sich eine chronische Nebenhöhlenentzündung bilden: ein enger Ausführungsgang wird z.B. durch einen harmlosen Schnupfen noch enger und blockiert. Nun kann der in den Nebenhöhlen gebildete Schleim nicht mehr abfließen und bleibt in der betroffenen Nebenhöhle liegen. Hier ist er idealer Nährboden für bakterielle Infektionen. So entwickelt sich aus einer immer wiederkehrenden Nebenhöhlenentzündung schließlich die chronische Nebenhöhlenentzündung.

Grundsätzlich ist vor jeder Operation der Nasennebenhöhlen eine Computertomographie erforderlich. An den Bildern kann man das Ausmaß der Entzündung nachvollziehen, die anatomischen Strukturen beurteilen und den Eingriff für den Patienten nachvollziehbar erklären.

Die Operation wird in Vollnarkose und mit minimal invasiver videoendoskopischer Technik vorgenommen. In der Regel benötigen die Patienten keine Tamponade. Bei der Operation werden die betroffenen engen Ausgangsstellen gezielt erweitert, und zwar durch die Nase mit Hilfe eines Endoskopes. Die Nebenhöhlen liegen anatomisch in enger Nachbarschaft zum Auge und zum Gehirn. Deshalb sollte eine Nebenhöhlenchirurgie nur von sehr erfahrenen HNO-Ärzten durchgeführt werden. Ansonsten wären Komplikationen von Seiten des Auges, der Schädelbasis oder des Gehirns möglich.

Eine Heiserkeit der Stimme tritt immer dann auf, wenn sich die beiden Stimmlippen des Kehlkopfes beim Sprechen nicht optimal aneinander legen und in ihrem Schwingungsverhalten gestört sind. Man unterscheidet funktionelle und organische Stimmstörungen. Erstere werden von einem Phoniater diagnostiziert und anschließend von einem Stimmtherapeuten (Logopäden) behandelt. Je nach zugrundeliegender Erkrankung sind bei organischen Stimmstörungen verschiedene operative Verfahren indiziert, so werden z.B. Stimmlippenknötchen oder Polypen im Rahmen einer Mikrolaryngoskopie abgetragen. Eine durch eine Recurrensparese (Stimmbandlähmung) bedingte Heiserkeit kann durch eine sogenannte Thyreoplastik behandelt werden. Dieser operative Eingriff wird in örtlicher Betäubung durchgeführt, um bereits intraoperativ die Verbesserung der stimmlichen Leistung zu überprüfen.

Bei der Thyreoplastik (Glossareintrag?) wird über einen kleinen Hautschnitt über dem Schildknorpel ein Knorpelfenster ausgeschnitten und ein Titaniumimplantat eingesetzt, mit welchem die Stimmlippe medialisiert wird. Der Eingriff eignet sich auch bei Patienten, denen aufgrund einer bösartigen Erkrankung laserchirurgisch ein Stimmband entfernt wurde. Weniger invasiv ist die Methodik der Stimmlippeninjektion. Hierbei wird in den M. vocalis körpereigenes Material (Fett, Fascia lata) oder Kollagen bzw. Hyaluronsäure injiziert. Bei einer beidseitigen Stimmbandlähmung nutzen wir verschiedenste laserchirurgische Methoden, um in einem individuellen Therapiekonzept, die für den Patienten beste Lösung zu finden. Hier geht ja letztlich darum, mehr Atemluft zu verschaffen ohne die stimmliche Leistungsfähigkeit deutlich zu vermindern. Ein Luftröhrenschnitt bleibt den Patienten in der Regel erspart. In beiden Fällen, also der einseitigen bzw. der beidseitigen Lähmung kommen anfangs temporäre und nach ca. 9 bis 12 Monaten permanente Techniken zum Einsatz. So wird eine spontane Erholung des Nerven und damit seiner Funktion nicht behindert.

Schnarchen stellt die häufigste Schlafstörung dar und in erster Linie leidet nicht der Betroffene sondern der Bettnachbar. Eine Ursache des Schnarchens ist die Erschlaffung der oberen Luftwege in Höhe des Rachens. In diesem Bereich werden die Luftwege durch die Muskulatur offengehalten. Im Schlaf erschlaffen diese Muskeln. Beim Schnarchen kommt es nun zu einem Hin- und Herflattern und Einengen der Wände der Luftwege (Zungengrund, weicher Gaumen, Rachen).

Schnarchen wird nach Einnahme von Schlafmitteln, Alkoholgenuss, voluminösen Abendmahlzeiten und durch hohes Gewicht sowie eine verstopfte Nase begünstigt.

Im Gegensatz zum Schnarchen mit wenigen Atempausen, das die Menschen nicht beeinträchtigt,  kann das gesundheitsgefährdende Schnarchen mit Atemaussetzern ernsthafte Folgen haben. Wenn die Atempausen oder Apnoe (Windstille) eine gewisse Anzahl und ein gewisses Maß überschreiten und der Betroffene unter Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwäche und morgendlichem Kopfschmerz leidet, liegt der Verdacht nahe, dass die Ursache in den nächtlichen Apnoephasen zu finden ist. Schwere Schlafapnoe kann ernsthafte Komplikationen wie Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko und schwere Depressionen nach sich ziehen.

Viele Betroffene wissen gar nicht, dass sie unter Schlafapnoe leiden. Daher ist zunächst eine sorgfältige schlafmedizinische Untersuchung, die ggf. im Schlaflabor endet, nötig. Anhand der Daten aus diesen Untersuchungen kann dann über die richtige Therapie entschieden werden. Primär wird in unserer Klinik die Nasenatmung operativ optimiert. Mit Einsatz des Lasers kann eine Gaumenplastik zur Straffung vorgenommen werden. Weiterhin kann unter Entfernung der Gaumenmandeln eine spezielle Form der Gaumen-Pharynxplastik auch unter Verwendung des Lasers Anwendung finden. Die Zügelung des Zungengrundes an den Unterkiefer stellt eine weitere operative Behandlungsmethodik dar.

In unserem Tumorboard arbeiten HNO-Ärzte mit Strahlentherapeuten und Onkologen zusammen, um den möglichst besten und schonendsten Heilungsweg auszuwählen. Bösartige Tumoren des Rachens zeigen sich häufig zunächst in einer Schluckstörung (Dysphagie). Später können ausstrahlende Schmerzen in das Ohr auftreten. Auch langsam wachsende Halslymphknoten-Schwellungen treten gemeinsam mit bösartigen Tumoren des Rachens auf. Sind die Tumoren noch klein, so werden sie schonend mit dem CO2-Laser unter mikroskopischer Sicht durch die Mundhöhle entfernt.

Die Halslymphknoten werden meist in der gleichen Operation angegangen (Neck dissection). Hierbei werden die betroffenen Lymphknoten mit umgebendem Fettgewebe entfernt, meist mit Schonung der Muskeln, der Nerven und der großen Gefäße. Gelingt eine laserchirurgische Operation wegen des Ausmaßes der Erkrankung nicht, wird die Entfernung über einen Zugang von außen vorgenommen. Die Schluckstrasse wird mit verschiedenen Verfahren (Nahlappen, Fernlappen, gefäßgestielte Lappen) individuell rekonstruiert.