Abteilungen der Krankenhausapotheke

Wir als Krankenhausapotheke des Städtischen Klinikums Görlitz gGmbH sorgen für die Auswahl, den Einkauf, die sachgerechte Lagerung und Lieferung von Arzneimitteln, Betäubungsmitteln, Infusionslösungen, Blut- und Plasmapräparaten, Desinfektionsmitteln, Verbandsstoffe, Röntgenkontrastmitteln, Trink- und Sondennahrung, Pflegemittel und Nahtmaterial an die Stationen.
In unserer Arzneimittelliste sind alle Präparate gelistet, welche nach dem heutigen Stand der Wissenschaft eine therapeutische Wirksamkeit aufweisen, und die für die Behandlung der Patienten unserer Versorgungsbereiche als erforderlich und optimal angesehen werden. Diese umfassen 99 % der abgegeben Arzneimittel.
Diese Liste ist das Ergebnis der Anträge, der Diskussionen und der Beschlüsse der Arzneimittelkommission, welche quartalsweise tagt.
Zusätzlich sind wir in der Lage kurzfristig Arzneimittel zu beschaffen, welche nicht in der Arzneimittelliste festgelegt sind.
Die Betreuung eines Teiles des Katastrophenschutzsortimentes an Arzneimitteln des Landes Sachsen unterliegt ebenfalls der Verantwortlichkeit unserer Abteilung.

Es werden Fragen aller Art von Ärzten und Pflegepersonal an uns als Abteilung herangetragen. Dabei geht es um Fragestellungen, wie Auswahl eines bestimmten Arzneimittels, Nebenwirkungen, Interaktionen mit anderen Arzneistoffen, Dosierungen, ausländische Arzneimittel, alternative Therapieoptionen bei Lieferengpässen, Arzneimittelanwendungen, Inkompatibilitäten bei Rezepturen, uvm.
Diese werden ausführlich mittels internationaler Datenbanken, digitaler Primär- und Sekundärliteratur als auch analoger Tertiärliteratur recherchiert und beantwortet.

Ein Teil der Patienten des Städtischen Klinikums Görlitz gGmbH werden täglich durch unser Unit-dose-System versorgt. Dies dient zur Steigerung der Patiententherapiesicherheit, zur Entlastung des Pflegepersonals und zur Senkung von Kosten. Weitere Vorteile sind das schnelle Abpacken der Medikamente und das Vermeiden von Fehlern beim Stellen der Medikamente, da alles durch einen Scanner (abscannen der Umverpackung des Arzneimittels) kontrolliert wird.
Ein Apotheker validiert die Medikation des Patienten auf Interaktionen (Wechselwirkungen) mit anderen Arzneistoffen oder Dosierungsfehler, wie Über- oder Unterdosierungen. Notwendige Änderungen werden mit den Ärzten besprochen und umgesetzt. Diese Medikation wird dann an einen Kommissionierautomaten weitergeleitet, welcher die einzelnen Tabletten und Kapseln in kleine Tüten gepackt und bedruckt. Diese enthalten Informationen über den Namen und Geburtsdatum des Patienten, die Station, die Bezeichnung des Arzneimittels, Form und Farbe des Medikaments, Name des Herstellers, Charge des Medikaments, Einnahmedatum und -uhrzeit, Einnahmehinweise, sowie Name und Anschrift der Klinikapotheke.
Die fertig gepackten Tüten werden kontrolliert und dann an die Stationen ausgeliefert.

Bei der Arzneimittelherstellung in der Apotheke unterscheidet man zwischen Rezeptur und Defektur. Rezepturen sind patientenindividuelle Einzelanfertigen, während Defekturen im Voraus hergestellt werden und vor der Abgabe – durch unsere Analytik – auf ihre Qualität geprüft werden. Jährlich werden ca. 22.000 Zubereitungen angefertigt.
Die Schwerpunkte liegen dabei in der Dermatologie mit der Herstellung von Salben, Cremes, Lösungen und Suspensionen, in der Ophthalmologie mit der Herstellung von Augentropfen und Augensalben, in der Rhinologie mit der Herstellung von Nasentropfen und Nasentamponaden und in der Pädiatrie mit der Herstellung von Kapseln, Zäpfchen.
Zusätzlich erfolgt durch unsere Abteilung die Herstellung von Labordiagnostika (angeforderte Reagenzien) für die Pathologie und das Labor.

Laut Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) müssen alle Ausgangsstoffe für Rezeptur- und Defekturarzneimittel vor der Verwendung geprüft werden. Dafür werden die pharmazeutisch genutzten Grundstoffe i.d.R. einer Identitätsprüfung unterzogen. Diese erfolgt nach den vorgeschriebenen Methoden der gültigen Arzneibücher oder alternativen, anerkannten Prüfvorschriften.
Zusätzlich gilt diese Prozedur für alle hergestellten Defekturarzneimittel. Jährlich werden bei uns in der Krankenhausapotheke über 220 Eingangsprüfungen und um die 200 Defekturprüfungen durchgeführt.
Zudem führen wir stichprobenartig eine Fertigarzneimittelkontrolle durch. Diese erfolgt durch eine Sinnesprüfung (Aussehen, Unversehrtheit, Übereinstimmung von Charge und Verfall von Blister und Verpackung, …). Bei Mängel, Unstimmigkeiten oder Reklamationen erfolgt eine Meldung an die zuständige Behörde und den pharmazeutischen Unternehmer.

Zytostatika sind hochpotente Arzneistoffe, welche für die Behandlung von Krebserkrankungen eine unverzichtbare Medikamentengruppe darstellen. Zusätzlich verfügen sie über ein hohes Gefahrenpotential (CMR – karzinogen, mutagen, reproduktionstoxisch), welches bei unsachgemäßem Gebrauch eine Gefährdung für Ärzte, Pflegepersonal und Apothekenmitarbeiter birgt. Um sowohl einen Produkt- als auch einen Personenschutz zu gewährleisten, erfolgt die patientenindividuelle, aseptische Herstellung in unseren GMP-Räumen.
Unsere Abteilung versorgt seit 1994 in enger Zusammenarbeit mit den onkologischen Stationen, Ärzten und Pflegepersonal die Patienten des Städtischen Klinikums und anderen Einrichtungen mit applikationsfertigen Zytostatikazubereitungen. In unserem Team arbeiten Apotheker, Pharmazieingenieure und PTAs mit hoher Fachkenntnis und langjähriger Praxiserfahrung. Dadurch ist der gesamte Herstellungsprozess standardisiert – darin inbegriffen sind Herstellung, Etikettierung und Verpackung.
Im Jahr 2010 erfolgte der Umzug in neue Herstellungsräume mit entsprechenden Personal- und Materialschleusen und der gesetzlich geforderten Sicherheitstechnik. Hier erfolgt nun die patientenindividuelle Bearbeitung der ärztlichen Anforderung mit zeitgleicher Plausibilitätskontrolle, unter der Verwendung eines speziellen EDV-Programms. Dieses wird ebenso begleitend für die Dokumentation und Archivierung von Patienten- und Herstellungsdaten verwendet.
Die Herstellung erfolgt unter wirtschaftlichen Materialeinsatz mit anschließender sachgerechten Abfalltrennung und –entsorgung.
Zusätzlich prüfen wir täglich unsere Arbeitsweise durch eine mikrobiologische Blindkontrolle mit wöchentlichen mikrobiologischen Monitoring des Herstellungsbereiches.
Für unsere Mitarbeiter und das Stationspersonal bieten wir Schulungen für den sicheren Umgang und die Handhabung mit Zytostatika an.