Neue Technik für risikoreiche Eingriffe an Gehirn und Rückenmark

Das Städtische Klinikum Görlitz erweitert sein intraoperatives Neuromonitoring mit einem modernen System.

Görlitz, 27.10.2026. Vor einer Operation an Gehirn oder Rückenmark beschäftigt Patienten vor allem eine Frage: Werde ich danach noch alles bewegen, sprechen und hören können? Die Neurochirurgie am Städtischen Klinikum Görlitz überwacht deshalb bereits seit 1995 während solcher Eingriffe die Funktionen des Nervensystems durch intraoperatives Neuromonitoring (IONM). Jetzt wurde die Technik auf den neuesten Stand gebracht: Ein neues, hochmodernes Gerät (ISIS IOM) bietet deutlich mehr spezifische Anwendungen als bisher. Der erste Eingriffe mit dem neuen Gerät wurde in der vergangenen Woche erfolgreich durchgeführt.

Das Verfahren kommt unter anderem bei Hirntumoren, Aneurysmen (krankhaften Gefäßaussackungen im Gehirn) sowie Tumoren im Rückenmark und stabilisierenden Operationen an der Wirbelsäule zum Einsatz. Während der Operation überwacht eine neurophysiologische Fachkraft am Monitor, ob die Nervenbahnen des Patienten normal arbeiten. Dazu werden über Elektroden gezielt schwache Reize gesetzt, zum Beispiel für Bewegung und Gefühl, aber auch für Hören und Sehen. Die Reaktionen sind live am Monitor zu sehen. Verändert sich ein Signal, meldet die Fachkraft das sofort dem Operateur. Das OP-Team kann dann reagieren und sein Vorgehen anpassen, damit wichtige Funktionen erhalten bleiben. 

Eine Besonderheit des neuen Gerätes ist der sogenannte Mapping-Sauger. Während er bei der Operation Gewebe absaugt, kann seine nur etwa zwei Millimeter kleine, freiliegende Spitze gleichzeitig elektrische Impulse abgeben. Nähert sie sich einer wichtigen motorischen Nervenbahn, löst das eine Muskelreaktion aus, die über Elektroden gemessen wird. So erhält das Team Warnsignale in Echtzeit. Bisher mussten Operateure dafür den Sauger ablegen und eine separate Sonde nutzen. Dieser Wechsel entfällt bei dem neuen Instrument.

„Der Anspruch ist eine funktionserhaltende Neurochirurgie“, sagt Dr. Peggy Hoche, leitende Oberärztin der Neurochirurgie, die das Neuromonitoring am Klinikum von Beginn an verantwortet. „Wir bangen genauso wie unsere Patienten, dass keine Folgeschäden bleiben. Das moderne Monitoring kann helfen, neurologische Defizite wie z.B. Lähmungen, Sprachstörungen, den Verlust von Hör- oder Gesichtsnervenfunktion zu vermeiden. Bei Operationen in funktionell wichtigen Hirnarealen senkt es laut Studien das Risiko dauerhafter neurologischer Ausfälle um 25 bis 40%.“ 

Mit dem neuen Gerät stärkt das Städtische Klinikum Görlitz seine Neurochirurgie. Ergänzend unterstützt eine zusätzliche Mitarbeiterin die Neurophysiologische Abteilung und wird in das Neuromonitoring eingearbeitet.
Das Neuromonitoring gehört bei komplexen Eingriffen am Nervensystem heute zum medizinischen Standard. Die Neurochirurgie am Klinikum Görlitz bringt dafür mehr als 30 Jahre Erfahrung mit und verfügt nun über eines der modernsten Systeme. Für Patienten aus der Region bedeutet das: Risikoreiche Eingriffe an Gehirn und Rückenmark sind mit erfahrenem Team und moderner Überwachungstechnik direkt in Görlitz möglich. Weite Wege zu anderen Zentren sind dafür nicht nötig
 

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